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- coming in English soon! -

 

München, 29. April 2007

In München werden wir sehr herzlich empfangen. Leider ist die Anlage im Club defekt, so dass sich alles verzögert. Nach dem Aufbau fahren wir mit Xiao Hong und Bian Yuan zum Plattenladen, wo die beiden ein kleines Akustik-Set spielen. Viele Leute haben sich eingefunden, es ist familiär und richtig gemütlich. Leider können wir nicht lange bleiben. Gern hätten wir noch mit den Leuten länger geredet, aber wir müssen zurück zum Soundcheck. Die Anlage funktioniert noch immer nicht einwandfrei, aber es ist nicht besser zu machen. Der Veranstalter führt uns in ein China-Restaurant, das von einem Mann aus Kambodscha betrieben wird und in dem Vietnamesen arbeiten. Liu Hao verhandelt lang, um ein einigermaßen chinesisches Menü zusammen zu stellen. Die Band probiert die originale chinesische Küche höflich, spricht aber anschließend lieber über die Kochkünste der eigenen Großmütter. Als wir zurückkommen, ist der Kinosaal ausverkauft und alle schauen „Beijing Bubbles". Es gibt ein kleines Filmgespräch, doch dann wollen endlich alle Joyside live sehen. Journalisten von der Süddeutschen Zeitungen und vom Radio haben sich eingefunden. Es wird ein furioser Auftritt, die Zuschauer schreien laut und es wird viel geschwitzt. Nach dem Konzert verkaufen wir am Stand viele CDs. Joyside geben viele Autogramme. Das Konzert war so berauschend, dass die Leute nach dem Konzert nicht gehen wollen. Der Bayrische Rundfunk hat das Konzert komplett aufgezeichnet und wird es irgendwann ausstrahlen. Das Hotel ist über 60 km entfernt, weil gerade eine Messe in München stattfindet, und weil nichts anderes frei war. Wir entscheiden uns spontan, zu Janes Eltern zu fahren, die am Chiemsee wohnen, und dort auch unseren letzten freien Tag auf der Tournee zu verbringen.<//span>

 

Frankfurt, 30. April 2007

Die Fahrt von München gestaltet sich als sehr lang bedignt durch viele Baustellen. Wir kommen um 16 Uhr an und der Veranstalter teilt uns mit, das der Techniker erst gegen 18 Uhr kommt. Wir nutzen die Zeit für ein Sonnenbad. In der ganzen Stadt finden wir leider kein Plakat und auch im Stadtmagazin ist ebenfalls kein Hinweis zu finden. Die Band fragt uns mit großen fragenden Augen „Why", aber wir können es leider auch nicht erklären.

Während des Soundchecks wird uns erklärt dass Joyside hier ein Überraschungsgast auf eine Techno-Party (!) sein werden. Leider können wir auch diesen Punkt der Band nicht erklären. Auch unsere Booking-Agentur ist ratlos. Um 22 Uhr macht der Club auf, aber außer ein Punk und der Journalistin eines chinesischen Wochenmagazins ist niemand da. Der Veranstalter meint, das seine Gäste nie vor 23 Uhr kommen. Der Auftritt wird immer weiter nach hinten geschoben. Um kurz nach Mitternacht sind ungefähr 150 Techno-Party Besucher da. Joyside geben alles und spielen nur schnelle Songs, um wenigstens mit den „Beats Per Minutes" mitzuhalten. Gegen Ende des Konzerts tanzen 30 Gäste zu Joyside, die anderen klatschen höflich und bescheiden. Später verkaufen wir tatsächlich noch 4 CDs. Nachdem wir abgebaut haben und die Backline durch die mittlerweile über 800 Besucher schleppen, fallen wir gegen 3 Uhr Nachts völlig verwirrt ins Bett. Am Morgen lassen Joyside das Frühstück ausfallen und setzen sich stumm in den Tourbus. Hannover ist weit...viele Baustellen...der Klimawandel läßt den Tourbus wie ein Backofen werden.... Im Bus reden wir über Naturschutz in gebrochenem Englisch...

 

Hannover, 1. Mai 2007

Ein großes Open Air in einem alten Freibad, 1400 Besucher. Eine engagierte Köchin stellt kalte Platten bereit. Der Deutsch-Chinesische Kulturclub vor Ort stellt aus Solidarität zur Pekinger Band einen Stand auf. Das Thema: Kalligraphie. Die Gruppe vor Joyside, eine Band namens Nikki Puppets, trägt enge Hosen und lange Haare, und man spiel recht schnell Gitarre. Als Joyside dran sind, springt Xiao Hong eine Saite aus seiner alten Fender und er greift zur weißen Ersatzgitarre, die er sich in Berlin für den Notfall zugelegt hat. Auch die tut es nicht und er bekommt den ersten Wutanfall der Tournee. Er zerschlägt die Gitarre während des letzten Songs auf der Bühne. Viele der Zuschauer sind überrascht über die Kraft, die in ihm steckt. Nach dem Konzert kommen viele zum Merchandise-Stand und erkundigen sich nach Befinden von Xiao Hong, der den Tränen nahe ist. Wir werden die zersplitterten Reste der weißen Gitarre rahmen und ins Büro hängen lassen.

 

Marburg, 2. Mai 2007

Marburg, die Heimatstadt der Filmemacher und Tourbegleiter. Nach ausführlichem Frühstück inklusive Abenteuerbrötchen (Salami mit Marmelade, Nutella mit Brie) und einer Fahrt mit dem Minitraktor durch blühende Rapsfelder ist klar: Es führt kein Weg vorbei am Schloss von Marburg und die Musiker halten sich laut jammernd die Oberschenkel fest, als wir sie zwingen, binnen vierzig Minuten den Berg zu erklimmen. Im Instrumentenladen gibt es keine Gitarre nach Xiao Hongs Geschmack, selbst die versprochene babyblaue ist schon verkauft. Schließlich der Auftritt im Szenario, einem kleinen Laden im Keller des Restaurants Auflauf. Es sind nicht wenige gekommen, allerdings kein Mensch aus China und trotz des ortsansässigen Fachbereichs auch kein Sinologe. Trotzdem: Die Band erobert wie immer alle Herzen, vor der Bühne wird getanzt und am Ende hagelt es wieder Autogrammwünsche. Der örtliche Kinobetreiber verspricht nach dem Konzert eine Sondervorstellung von „Beijing Bubbles" zu bringen, doch nachdem das Konzert zu Ende ist, stehen viele vor einem verschlossen en Kino ... Man teilt uns mit, dass die nächste Vorstellung des Films für den kommenden Sonntag angesetzt ist ...

 

Bremen, 3. Mai 2007

Bei unserer Ankunft in Bremen erfahren wir, dass es nicht nur zwei Konkurrenzkonzerte gibt, sondern dass heute auch noch Werder Bremen gegen Spanien spielt. Man rechnet mit wenig Besuchern und wir tapern, da noch etwas Zeit ist, leicht niedergeschlagen durch Bremen. Auch vier Porzellanfigürchen der Bremer Stadtmusikanten in buntem Geschenkpapier nutzen kaum. Nach einem Soundcheck,d er Stunden dauert: Zum Abendessen gibt es etwas Veganisches, sehr lecker zwar, aber die Band ist natürlich entsetzt und wir müssen nebenan Hühnchencurry dazu bestellen. Unsere Künstlerwohnung ist ein Matratzenlager im Keller und unsere Asthmatiker fürchten Schlimmstes. Als wir wieder im Schlachthof einlaufen, scheinen drei bis vier zahlende Gäste gekommen. Aber es ist wie immer, wenn Joyside spielen: Plötzlich stehen sechzig, siebzig begeisterte Leute vor der Bühne, tanzen und schreien sic die Seele aus dem Leib, wenn Joyside drohen, von der Bühne zu gehen. Sie rocken noch das seltsamste Publikum in den kleinsten Städten. Eine wundervolle Band.

 

Hamburg, 4. Mai 2007

Schon bei unserer Ankunft in Hamburg zeigt sich die Band begeistert. Wir erzählen, dass Hamburg eine Hafenstadt sei, dass es hier viele Leute aus aller Herren Länder, Matrosen und ein berühmtes Rotlichtviertel gibt, super Bier und die besten Gitarrenbands des Landes. Immer wieder zeigen wir auf die großen Kräne und hohen Schiffe im Hafen. Das Nachtasyl im Thaliatheater erinnert an den roten Salon, ein wenig abgewetzt und sehr elegant. Liu Hao, unser Basser, klaut sich wie üblich die Wurst von den belegten Brötchen, die es für uns gibt. Zum Abendessen gehen wir zum Fischimbiss im Schanzenviertel, und beobachten die schönen Passantinnen, die an uns vorbeischlendern. Bian Yuan möchte gern noch einmal nach Hamburg kommen, vielleicht in der Tourpause im Mai, wenn sie zwei Wochen frei haben. Als wir im Nachtasyl ankommen, scheint der Club fast ausverkauft. Die Band ist richtig aufgeregt, wir haben ihnen erzählt, dass hier viel Musikpolizei wohnt, skeptische Fischköppe, die selten tanzen und sich meist vor der Bühne darüber unterhalten, ob die Riffs richtig sitzen. Schon beim ersten Song sind aber alle Ängste ausgeräumt, George verhilft den Tänzern weiter hinten zum Durchbruch in die erste Reihe und nach dem Konzert sind die Musiker endlich einmal wieder so richtig umringt von schönen Mädchen.

 

Freiburg, 5. Mai 2007

Nach einer ewig langen Fahrt von 8 Stunden kommen wir in Freiburg an. Das Jazzhaus ist ein toller Club und wir werden sehr freundlich empfangen. Die Anlage ist so gut, dass wir sehr schnell mit dem Soundcheck fertig sind. Der Veranstalter erzählt uns mehrfach das es heute in Freiburg eine alljährliche Single-Party gibt und die sehr beliebt sei. Wir wissen nicht recht was wir mit der Info sollen und gehen Essen im Nachbarlokal. Die Bedienung ist etwas konfus, aber sehr nett. Wir bekommen die größten Steaks der Welt und verzweifeln schon ab der Hälfte. Als wir in die Halle zurückkommen, wissen wir warum Single-Partys nicht zu unterschätzen sind in Freiburg. Es haben sich lediglich 60 Leute eingefunden. Joyside geben alles und es wird gemütlich, aber sehr ausgelassen. Das Publikum gibt ebenfalls alles. Zum Schluß verkaufen wir an jeden zweiten eine CD. So ein Schnitt hatten wir noch nie... Freiburg, ein kleines Publikum, aber großer Erfolg.<//span>

 

Düdingen, 6. Mai 2007

Die Fahrt in die Schweiz wird erschwert durch Zollprobleme. Wir dürfen unsere CDs nicht unverzollt einführen. Ja, die Schweiz gehört nicht zu EU. Aus Geldmangel entscheiden wir uns für ein gewagtes Schmuggelexperiment, was zwar aufgeht, aber viel Zeit kostet. Details werden nur persönlich verraten.

Düdingen entpuppt sich als charmant und sehr klein. Mitten auf dem Feld ist Club Bad Bonn ein altes Ausflugslokal. Erste Zweifel kommen auf, doch innerhalb weniger Zeit ist der Parkplatz voll und wir haben ein gutes Konzert. Die Veranstalter sind sehr nett und Nachts schlafen wir bei guter Luft in einem sensationellen Landhotel.

 

Zürich, 7. Mai 2007-07-19

Alle Wege sind kurz in der Schweiz und so kommen wir früh genug in Zürich an, um noch etwas den See zu bewundern und in der Altstadt shoppen zu gehen. Liu Hao kauft seiner Mutter Schweizer Kuhglocken und Schokolade und wir kaufen Bian Yuan Schokobonbons mit Chili, die er nicht scharf genug findet. Der modebewusste Xiao Hong bemerkt, wie gut hier alle gekleidet sind und nimmt sich vor, nur noch bei Dior einzukaufen, wenn er endlich Rockstar geworden ist. Zum Abendessen geht es zum ersten Mal zum Thailänder und die Musiker sind begeistert, dass alles so schön scharf ist. Im Hotel gibt es Themenzimmer, Bian Yuan und Xiao Hong teilen sich das Japanzimmer, Guan Zheng und Liu Hao müssen ins Purpurzimmer und finden, das sei nicht männlich genug für sie. Als wir im Club Mascotte ankommen, sind alle Stühle besetzt und die Leute lachen an allen lustigen Stellen von „Beijing Bubbles". Als wir zum Publikumsgespräch auf die Bühne gehen, sind uns Joyside verloren gegangen und kommen viel zu spät auf die Bühne. Trotzdem gibt es tosenden Applaus, als sie sich endlich einstellen. Die Schweizer sind etwas schüchtern und stellen nur wenige Fragen, wir sehen aber viele strahlende Gesichter. Beim Konzert ziehen sich vor der Bühne ein paar Jungs die T-Shirts aus und tanzen mit nacktem Oberkörper. Unser Freund Markus, der neuerdings in Zürich als „Redaktor" arbeitet, fragt uns, ob wir die bezahlt hätten, und wir bejahen. Nach dem Konzert verkaufen wir sechzig CDs, und um dies zu feiern, schmeißen wir in der Bar nebenan eine Runde Whiskey. Als die Rechnung kommt, fallen wir fast vom Stuhl. 180 Franken, das sind an die 150 Euro. Für acht Drinks.<//span>

 

Köln, 8. Mai 2007-07-19

Auf dem Weg nach Köln schlägt plötzlich das Wetter um, Regen fällt auf die Welt, grau ist das Himmelszelt. Wir werden melancholisch und hören hundert Mal hintereinander das Album „Three Imaginary Boys" von The Cure, ein Album, mit dem wir groß geworden sind, ein Album, das herauskam, als die Kulturrevolution in China gerade zu ende gegangen war und als zwei der Bandmitglieder nicht einmal auf der Welt waren. Als wir nach Köln hereinfahren, jubelt Bian Yuan über die riesige, düstere Kirche. Wir geben einen kleinen Gig aus drei Songs im Plattenladen, Bian Yuan und Xiao Hong sind zu faul, den Verstärker aufzubauen und Bian Yuan trifft kaum die Töne der verstimmten Mandoline, die Xiao Hong vergeblich zu stimmen versucht. Beim Soundcheck werden wir schon von in Deutschland lebenden chinesischen Journalisten erwartet, die Tonmischer erklären uns, der Montag sei ein schwieriger Tag für Köln, noch dazu spielen nebenan Bloc Party, wir sollen nicht zu viel erwarten. Aber schon gegen neun, als wir backstage noch mit Putencurry und Whiskey beschäftigt sind, füllt sich das kleine Studio 672. Schon nach den ersten zwei Songs tanzen die Leute wild, rufen immer wieder in den Pausen nach der Band. Manuel von unserem CD-Vertrieb sagt, so ein ausgelassenes Konzert hat er in Köln schon lang nicht mehr erlebt.<//span>



 
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